Herstellung von Bilderbogen und Kunstdrucken in der Imagerie von Epinal

Bilderbogen und ihre Herstellung

1. Die Imagerie Epinal

Bilderbogen sind die Vorläufer unserer Comics. Die Franzosen sagen es sei die Fünfte Kunst.

1.1. Die Anfahrt

Die Imagerie liegt direkt am Ufer der Mosel, nämlich am Quai de Dogneville 42, oder auch an der D12.

Das Museum befindet sich rechts im Glasgebäude, der Laden im Hintergrund.
Das Museum befindet sich rechts im Glasgebäude, der Laden im Hintergrund.

Das Museum ist täglich geöffnet. Eine Ausnahme ist der Vormittag am Montag.

1.2. So gestaltet sich dann der Besuch

Der Gestiefelte Kater ist das Symbol der Imagerie Epinal.

Der Gestiefelte Kater, das Emblem der Imagerie Epinal.
Der Gestiefelte Kater, das Emblem der Imagerie Epinal.

An zahlreichen Stellen trifft man immer wieder auf ihn. Er stammt aus einem Märchen von Charles Perrault wurde aber später dann von den Gebr. Grimm übernommen.

 

Welche Möglichkeiten gibt es nun in der Imagerie Epinal?

  • Besuchen Sie das Museum.
  • Verfolgen Sie die Herstellung der Bilderbogen.
  • Nehmen Sie an einer Führung teil.
  • Oder bewundern Sie doch die Kunstdrucke Sie im Laden.

2. Im Museum.

Es gibt viele Erklärungen. Die Drucke sind sehr wertvoll und sollen daher keinen Schaden durch Ausbleichen nehmen. Deshalb ist die Beleuchtung im Museum etwas spärlich gehalten.

Ein Vorläufer unserer heutigen Stadtpläne
Ein Vorläufer unserer heutigen Stadtpläne

Dieses Bild einer Stadt ist der Vorläufer des Stadtplans

Es ist ein Beispiel der ersten Drucke. Die Menschen interessierten sich dafür und weckten dadurch den Wunsch der Vervielfältigung.

Noch ein Beispiel dazu: die Krönung Karl des Großen. Der Kaiser hatte großes Interesse, dass er im Volk bekannt war. Dadurch sicherte er nämlich seine Macht.

Bilderbogen zur Krönung von Karl dem Großen
Bilderbogen zur Krönung von Karl dem Großen

Er wurde im Jahr 800 an Weihnachten zum Kaiser geweiht.

Papst Leo III krönte ihn im Petersdom.

Also mehr als 400 Jahre nach dem Fall des römischen Reichs.

Dieses Ereignis hielt man auf dem Bilderbogen fest. Karl der Große wird auch als der erste Europäer bezeichnet. Sein Reich hatte auch die Größe dazu.

3. Herstellung von Bilderbogen

3.1. Bilderbogen im Stempeldruckverfahren

3.1.1. Anfertigung des Stempels.

Es handelt sich dabei um ein altes Verfahren. Der erste Schritt ist die Herstellung des Stempels.

Herstellung eines Stempels
Herstellung eines Stempels

Die Imagerie nahm immer Kalkstein aus Bayern um daraus eine Platte zu fertigen. Danach wurde dann von Hand mit einer speziellen Scheibe poliert.

Die Scheibe hat viele Löcher. Sie ist zudem auf einer Seite höher, als auf der anderen. Auf dem Bild kann man es auch gut erkennen. In eines der Löcher wird dann ein Stab zum Drehen eingeführt.

Durch drücken und drehen schleift man die Platte ab. Ändern des Drucks oder der Schnelle des Drehens schleift die Platte stärker oder schwächer ab. Die polierte Platte nennt man dann Stempel.

3.1.2. Aufbringen der Zeichnung auf den Stempel.

Dann bringt der Künstler die Zeichnung auf den Stempel auf.

Ungespiegelte Ansicht eines Stempels zur Herstellung eines Bilderbogens
Originale Ansicht eines Stempels.

Der Stempel wird als Spiegelbild vom Künstler bearbeitet. Also nicht so ganz einfach.

Man zeichnet von Hand mit einer fetthaltigen Tinte direkt auf den Stein.

Damit man Einzelheiten besser erkennen kann, ist das Bild unten gespiegelt. Der Künstler hatte aber keine Software zum Spiegeln.

Gespiegelte Ansicht eines Stempels zur Herstellung eines Bilderbogens
Gespiegelte Ansicht eines Stempels zur Herstellung eines Bilderbogens

Wenn man die feinen Striche sieht, dann war das eine mühevolle Arbeit. Was passiert, wenn man einen falschen Strich macht? Gab es eine Art Radierer? Wir wissen es nicht. Damals war es aber nur so möglich. Der Aufwand war daher richtig, sonst hätte man nur eine einzelne Zeichnung gehabt. Die Fotografie beginnt erst Mitte des 19. Jh.

3.1.3. Bedrucken des Papierbogens.

Danach bedruckte man den Papierbogen mit der abgebildeten Maschine aus Holz.

Bedrucken eines Bilderbogens
Bedrucken eines Bilderbogens

Dazu wird Papier auf den Stempel aufgelegt. Darüber legt man dann weitere Schichten aus Papier. Die letzte Schicht ist aber ein Metallblatt.

Beachten Sie den Hebel, man klappt ihn nur beim richtigen Druck nach unten.

Die Bilderbogen werden nummeriert, deshalb druckt man nur wenige. Dadurch bleibt die Exklusivität gewahrt.

3.1.4. Die Imagerie besitzt viele Stempel.
Verschiedene Druckstempel
Verschiedene Druckstempel

Auf dem Bild sieht man nur eine kleine Anzahl der Stempel. Alle werden nicht hier gelagert, weil es zu wenig Platz gibt. Sie waren damals von großem Wert und sind es auch noch heute.

Ein weiteres Beispiel für einen Stempel. Damit druckt man den Schirm für eine Lampe.

Lampenschirm, Bild wurde gespiegelt.
Lampenschirm, Bild wurde gespiegelt.

Man schneidet den Bogen aus und klebt ihn dann am rechten Falz zusammen. Das Foto ist ebenfalls gespiegelt.

Die Stempel wurden für viele Zwecke angefertigt, wie z. B. auch für die erste farbige Seite der Modemagazine.

3.1.5. Es gab aber auch ein Problem.

Die Größe des Stempels bedingt auch die Größe des Bilderbogens.

La Cantinière de Zouaves
La Cantinière de Zouaves

Dazu hier ein Trick um den Bilderbogen doch zu vergrößern. Links der Stempel, rechts dann der mannshohe Bilderbogen. Wenn man den Farbdruck genau ansieht, dann erkennt man den weißen Falz. Der Blick nach links auf den Stempel hilft bei der Suche nach der Trennstelle.

3.2 Bilderbogen im Schablonen-Verfahren.

3.2.1 Herstellung der Schablonen.
Maschine zum Anfertigen einer Schablone
Maschine zum Anfertigen einer Schablone

Mit einer Art Nähmaschine fertigt man die Schablonen an. Man braucht für jede Farbe eine Schablone. .

3.2.2 Aufbringen der Farbe auf den Bilderbogen.
Aufbringen von einer bestimmten Farbe mittels einer Schablone
Aufbringen von einer bestimmten Farbe mittels einer Schablone

Man macht zuerst einen Druck schwarz auf weiß. Dann koloriert der Künstler mit der Schablone. Aber man kann auch eine Maschine benützen.

3.2.3 Es kommt noch mehr Farbe auf den Bilderbogen.
Darstellung der aufeinanderfolgenden Stufen der Farbaufbringung
Darstellung der aufeinanderfolgenden Stufen der Farbaufbringung

Hier sieht man 6 Stufen des Drucks. Der erste Druck ist schon etwas gefärbt, dann nimmt die Farbe immer mehr zu. Man sieht wie eine Schablone auf die andere folgt.

3.2.4 Maschinelle Herstellung von Bilderbogen.

Durch die Vorführung erkennt man schnell, warum versucht wurde das Drucken zu automatisieren, bzw. maschinell zu erleichtern.

Maschinelle Herstellung eines Bilderbogens
Maschinelle Herstellung eines Bilderbogens

Links sieht man eine modernere Maschine. Man bestückt sie mit Schablonen. Jede Schablone steht für eine Farbe. Über jeder Schablone sind 2 Besen. Diese fahren zuerst nach links, dann nach rechts. Außerdem wandert der Bogen von vorn nach hinten. Dadurch wird der Bilderbogen nach und nach mit einer weiteren Farbe bedruckt.

3.3 Bilderbogen als nummerierter Kunstdruck

Herstellung eines numerierten Kunstdrucks
Herstellung eines numerierten Kunstdrucks

Um das Besondere des Kunstdrucks zu erhalten legt man meist nicht mehr als 200 Stück auf.

Der Künstler erstellt den Entwurf. Dieser wird dann schwarz auf den Stempel gezeichnet, dann druckt man.

Danach wird mit Schablonen die Farbe von Hand aufgebracht.

Man druckt eine traditionelle, als auch eine nummerierte Auflage. Der Künstler signiert diese zudem von Hand.

4. Laden mit Verkauf der Bilderbogen

Der Eingang zum Laden zum Erwerb von Bilderbogen. Man kann aber auch nur die schönen Bogen anschauen.

Eingang zum Laden mit dem Verkauf der Kunstdrucke
Eingang zum Laden mit dem Verkauf der Kunstdrucke

Manche Bogen zeigen eine kleine Abfolge von Geschichten.

Man findet z. B. die Fabeln von Jean de La Fontaine, aber auch Märchen.

Die Bogen sind künstlerisch sehr hochwertig und haben deshalb ihren Preis. Nummerierte Bilderbogen sind noch exklusiver, aber auch ein schönes Geschenk oder Souvenir. Der Künstler wählt traditionelle, aber auch ganz moderne Themen. Dargestellt werden Berufe, Blumen oder auch Abläufe zur Herstellung eines Produkts.

Dieser 3. Teil des Besuchs der Imagerie Epinal schließt dann die Besichtigung ab.

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