Reichenweier Wuerttemberg und die Legende der Weissen Frau von Reichenweier-Reichenstein

Reichenweier Württemberg.

1. Die Stadt der Grafen von Württemberg

Reichenweier heißt auf Französisch Riquewihr, Württemberg-Mömpelgard hingegen Wurttemberg-Montbéliard .
1.1 Spuren der Württemberger in Reichenweier.

Reichenweier stand im Besitz der Grafen von Württemberg-Mömpelgard. Die Stadt fiel damals durch Kauf an Württemberg. Der links-rheinische Landesteil wurde Württemberg-Mömpelgard genannt. Diesem gehörte Reichenweier von 1324 bis 1793 an. Nach der Franz. Revolution fiel es jedoch dann später an Frankreich.

Reichenweier Westtor
Reichenweier Westtor

Das westl. Stadttor hat sein Aussehen seit 500 Jahren behalten. Über dem Tor befindet sich außerdem ein Wappen.

1.2 Das Wappen von Reichenweier.
Reichenweier Wappen
Reichenweier Wappen

Die drei Hirschgeweihe auf diesem Wappen sind deutlich zu erkennen.

Daher kommt der Hinweis auf die württemberger Herkunft.

Der Stern stammt aber von den früheren Herren von Horburg.

1.3 Das Schloss der Grafen von Württemberg-Mömpelgard.

Über der Tür des Turms befindet sich das Wappen der Grafen, ebenfalls 3 Geweihe, aber anstatt dem Stern sind diesmal 2 Fische.

Das Schloss der Grafen von Württemberg-Mömpelgard
Das Schloss der Grafen von Württemberg-Mömpelgard

Graf Georg von Württemberg-Mömpelgard ließ die Burg der Herren von Horburg abreißen. Er baute anschließend hier am selben Ort von 1539 bis 1540 das aktuelle Schloss. Das Datum findet man auch über der Eingangstür.

Die Heirat des Grafen mit Barbara von Hessen fand 1555 hier im Schloss statt.

Eine große Restauration wurde 1900 durchgeführt, dabei wurden die 3 Geweihe am Ostgiebel angebracht. Quelle: Franz. Kulturministerium.

1.4 Das Postmuseum in Reichenweier.

Man hat das Schloss 1970 dann nochmals renoviert und das Postmuseum darin untergebracht.

Postkutsche vor dem württemberger Schloss
Postkutsche vor dem württemberger Schloss

Deshalb soll die Postkutsche vor dem Schloss auf das Postmuseum hinweisen. Im franz. Namen des Museums kommt der Ausdruck Diligence vor, d.h. Kutsche.

Gedenktafel Flachsland
Gedenktafel Flachsland

Die Tafel über der Tür erinnert an Maria Karoline Flachsland. Sie wurde hier um 1750 geboren und heiratete dann später Johann G. Herder.

Nach dessen Tod wurde sie dann zum Verwalter und Herausgeber seiner Werke. Johann Gottfried Herder war Lyriker und Vertreter der Aufklärung.

1.5 Knipsen Sie doch ein Foto in Riquewihr.

Das schöne alte Fachwerk aus der württemberger Zeit, ebenso wie die typisch franz. Anordnung der Blumen und Farben bilden hier eine Harmonie. Wie wäre es denn mit einem Foto?

Der Ortskern von Reichenweier
Der Ortskern von Reichenweier

Sehen Sie sich auch die kunstvoll geschmiedeten Schilder der Wirtshäuser an. Schön, wie geschmackvoll. Werbung kann auch Freude machen.

Der Dolderturm in Reichenweier
Der Dolderturm in Reichenweier

Der mit Fachwerk verzierte Turm Dolder, wurde um 1291 gebaut. Er befindet sich an der höchsten Stelle der Stadt und ist ihr Wahrzeichen.

Die schönere Seite ist innen, weil sie die Bewohner ständig vor Augen hatten.

Eine Gasse in Reichenweier
Eine Gasse in Reichenweier

Reichenweier wurde in alter Zeit zur Stadt erhoben und ist heute zudem eines der schönsten Dörfer in Frankreich.

Vor dem Westtor ist ein großer Parkplatz. Er ist im Sommer kostenpflichtig. Die Stadt hat hohe Kosten für ihr schönes, aber teures Erbe.

1.6 Die Parade des Karnevals in Reichenweier.

Anfang Juli hat die 8. Parade Carnaval vénitienne stattgefunden. Auch hier kann man tolle Bilder knipsen. Eine Info gibt es davor beim Touristenbüro. Kurz danach wird sie aber leider gelöscht.

1.7 Die Burgruine Reichenweier-Reichenstein.

In der Nähe, noch auf der Markung Reichenweier, befindet sich im Herrenwald die Ruine Reichenstein. Die Burg war im Besitz der Gebrüder Giselin von Reichenstein.

Die von Reichsteins hatten aber das Raubrittertum wohl etwas zu übertrieben. Deshalb ließ Rudolf von Habsburg die Burg um 1269 zur Strafe zerstören. Sie wurde danach nie wieder aufgebaut. Ein Erdbeben um 1356 und ein späterer Erdrutsch taten dann wohl noch das Übrige. Daher steht von der Burg nur noch der Bergfried. Er ist ein monument historique. Quelle: Franz. Kulturministerium.

2. Die Legende der Weissen Frau von Reichenstein

Auf dem Blog von Marcel Pfister, publiziert von Jean Marie Pfister, findet man des Weiteren eine Legende zu Reichenstein. Hier ein Versuch der Übertragung.

2.1 Der Rat Treitlinger will, dass die Wilderei beendet wird.

Damhirsch
Damhirsch

Der Herr Treitlinger, Rat der Regentschaft von Mömpelgard, vertrat Seine Hoheit den Herzog von Württemberg in seinen Besitzungen im Elsass. Er wurde während eines Besuchs in Reichenweier vom Landvogt zu einer Jagdpartie in die weiten Wälder des Landbesitzes eingeladen. Bei diesem Anlass war H. Treitlinger schockiert über den von ihm festgestellten Schlendrian seiner Verwalter. Die Jäger fanden nämlich ein Hirschkalb mit einer tödlichen Schlinge um den Hals.

Am nächsten Tag wurden Leiter und Beamte vorgeladen. Der Regentschaftsrat griff in Forstwirtschaft und bei der Baumfällung sehr streng durch. Er schrieb zudem seinen Leuten für Gewässer und Wäldern vor, dass der Wilderei ein Ende gesetzt wird. Der Leiter von Gewässer und Forst forderte daher seine 4 Männer auf, zu völlig unerwarteten Zeiten, die schönen Tannen-, Buchen- und Eichenwälder zu kontrollieren, die Hirsche, Rehe, Wildschweine und jede Art von Wild beherbergten, das vom niederen Volk begehrt wurde.

2.2 Die Wilder sind die Holzfäller und Köhler.

Reh
Reh

Holzfäller und Köhler, die seit 1720 in Ursprung, mit einer besonderen Genehmigung ansässig gewesen waren, wilderten aber trotzdem mit großem Geschick im Wald weiter, weil sie bisher niemand gestört hatte.

Daher kam es eines Tages, dass Jakob Gebhardt, vereidigter Förster und Jagdaufseher, sich an einem Abend im Juli 1769, im zauberhaften Mondschein, auf dem Pfad der am Sembach entlang führt, an der hintersten Stelle des engen Tales befand. Es muss so um Mitternacht gewesen sein, denn der Vollmond stand im Zenit. Plötzlich wurde er durch eine kleine Nebelwolke verunsichert, die aus dem alten, baufälligen Bergfried von Reichenstein kam. Er spürte einen Schauer durch seinen Körper laufen, als dieses Wölkchen nach und nach die Formen einer Frau in einem langen weißen Kleid annahm. Verdutzt, an eine Eiche angelehnt, war er wie erstarrt und wagte zudem kaum zu atmen.

2.3 Die Erscheinung.
Die Weisse Frau von der Burg Reichenstein in einer Wolke
Die Weisse Frau von Reichenstein in einer Wolke

Die Erscheinung bewegte sich langsam auf den Fluss zu. Jakob kniete sich auf eine flache Stelle als er sie sah. In Händen hielt sie einen dicken Schlüssel, den sie ins Wasser tauchte. Sie wusch, rieb und schabte ihn energisch und unaufhörlich, wie wenn man hartnäckige, dauerhafte Flecken zu reinigt. Hatte sich Jakob bewegt? Auf jeden Fall erhob sich die edle Frau; aber weit davon entfernt nach Geister-Art zu verschwinden, kam sie auf ihn zu. Der Jagdaufseher war außer sich, so euphorisch, dass er nicht auf die Idee zur Flucht kam.

2.4 Die Weisse Frau nimmt Jakob bei der Hand.

Die Weisse Frau nahm ihn bei der Hand und sagte mit sanfter Stimme:“Bitte hör mir zu. Komm morgen Abend, zur gleichen Stunde, hierher und zünde 2 Fackeln an. Es sind jetzt 500 Jahre, dass ich leide. Du kannst mich aber davon erlösen. Ich werde dich in einen Saal führen, in dem du auf einer Truhe einen großen schwarzen Hund sehen wirst. Er hält mich gefangen. Du wirst dann meine rechte Hand so stark drücken, dass Blut aus meinen Fingern läuft. Lass dich aber nicht vom Geheul des Hundes erschrecken. Ich werde erlöst und du wirst reich sein. Die Truhe enthält einen märchenhaften Schatz. Gib eine Hälfte den Armen, die andere Hälfte wird dann dir gehören.

2.5 Die Weisse Frau geht zur Burg zurück.
Burgruine Reichenweier Reichenstein
Burgruine Reichenweier Reichenstein

Die edle Frau ging zurück zur Burg, wo sie wieder zur weißen Wolke wurde und verschwand. Jakob Gebhardt ging zu sich nach Hause, aber zum Schlafen kam er kaum. Was er im Sembachtal erlebt hatte, glich einem Traum. Aber nein er hatte nicht geschlafen auf seiner nächtlichen Runde. Er sprach zu niemanden, weil er befürchtete, dass man sich über ihn lustig machen würde. In der Nacht darauf versah er sich mit 2 Fackeln und einem Feuerzeug. Jakob schulterte das Gewehr und machte seine Runde. Festen Schrittes stieg er das Kleintal und den Weg von Seelburg hinauf, um von oben die Ruine von Reichenstein zu beobachten. Er bemerkte aber nichts Verdächtiges.

2.6. Jakob bekommt jedoch immer mehr Zweifel.
Burgruine
Burgruine

Nach und nach kam in ihm Zweifel und Scham hoch, dass er sich vielleicht dummer Weise von einer Illusion oder von einem Traum einnehmen haben lassen. Auf seiner Runde oben angekommen, schlug er dennoch leichten Schrittes den Weg ins Tal von Sembach ein, welches auch Großtal genannt wurde. Es war um Mitternacht, als er auf Höhe der Ruine ankam. Er lehnte sein Gewehr an die Eiche, an der er sich am Vortag angelehnt hatte. Dann zündete er beide Fackeln an. Sofort als die Flammen aufloderten, wurde der Pfad zu einem breiten gepflasterten Weg und die Ruine von Reichenstein wandelte sich zudem zu einem intakten erleuchteten Bauwerk.

2.7 Die Weisse Frau kommt erneut auf Jakob zu.
Die Weisse Frau von der Burg Reichenstein
Die Weisse Frau von der Burg Reichenstein

Die Weisse Frau kam aus dem Portal auf den Förster zu, der sich dann sofort beruhigte und sich glücklich fühlte. Sie nahm eine Fackel in die linke Hand und gab die Rechte ihrem neuen Kavalier, den sie zudem mit Nachdruck bat, ihre Hand nicht loszulassen. Über eine geheimnisvolle Treppe führte die edle Frau den Jagdaufseher in einen Saal mit Kamin und massivem Tisch. An der Wand befand sich eine Truhe, auf der ein großer schwarzer Hund lag. Jakob drückte mit allen Kräften die rechte Hand der Frau. Die wütende Bestie heulte schrecklich auf, fletschte mit den Zähnen, sodass der Jäger, seine Hand zurückzog und floh.

2.8 Die Weisse Frau erklärt sich Jakob.

Er hörte aber noch die Frau mit brüchiger Stimme klagen:

„Nun muss ich also 9 mal 100 Jahre warten, bis eine Eiche gewachsen ist, deren Holz zum Bau der Wiege für den Mann dient, der mich befreien kann.“

1 thought on “Reichenweier Wuerttemberg und die Legende der Weissen Frau von Reichenweier-Reichenstein

  1. Je ne connaissais pas la légende de cette Dame Blanche que je ne manquerai pas de conter à mon tour lors de mon prochain passage à Riquewihr. Votre blog montre bien les incontournables pour les touristes étrangers dans nos belles Vosges… Merci pour votre message !

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