Reichenweier Wuerttemberg und das Geheimnis der Weißen Frau

Reichenweier Württemberg.

Die Stadt der Grafen von Württemberg-Mömpelgard.

Die Spuren der Württemberger in der malerischen Altstadt von Riquewihr.

Reichenweier stand im Besitz der Grafen von Württemberg-Mömpelgard. Die Stadt fiel durch Kauf an Württemberg.

Reichenweier Wappen
Reichenweier Wappen

Der links-rheinische Landesteil wurde damals Württemberg-Mömpelgard genannt. Diesem gehörte Reichenweier von 1324 bis 1793 an.

Nach der Französischen Revolution fiel es jedoch dann später an Frankreich.

Aus: Meyers Großes Konversationslexikon.

Die drei Hirschgeweihe auf dem Wappen am Westtor sind deutlich zu erkennen. Aufgrund dessen weisen sie auf die württemberger Herkunft hin.

Der Stern stammt von den früheren Herren von Horburg.

Die französischen Bezeichnungen sind Riquewihr für Reichenweier und Wurttemberg-Montbéliard für Württemberg-Mömpelgard.

Reichenweier Westtor
Reichenweier Westtor

Das westliche Stadttor hat sein mittelalterliches Aussehen seit fünfhundert Jahren behalten.

Das Schloss der Grafen von Württemberg-Mömpelgard.

Über der Tür des Türmchens befindet sich das Wappen der Grafen, ebenfalls drei Hirschgeweihe und zwei Fische.

Das Schloss der Grafen von Württemberg-Mömpelgard
Das Schloss der Grafen von Württemberg-Mömpelgard

Graf Georg von Württemberg-Mömpelgard ließ die Burg der Herren von Horburg abreißen und erbaute anschließend hier am selben Ort von 1539 bis 1540 das neue aktuelle Schloss. Das Datum findet man demzufolge über der Eingangstür.

Die Heirat des Grafen mit Barbara von Hessen im Jahre 1555 fand später hier im Schloss statt.

Eine große Restauration wurde im Jahre 1900 durchgeführt, dabei wurden die württemberger Hirschgeweihe am Ostgiebel angebracht. Quelle: Französisches Kulturministerium

Das Postmuseum.

Eine weitere Renovierung im Jahre 1970 hat zuletzt für die Einrichtung des Postmuseums stattgefunden.

Postkutsche vor dem württemberger Schloss
Postkutsche vor dem württemberger Schloss

Die schöne Post-Kutsche vor dem Württemberger Schloss, „Le Château des Princes de Wurttemberg-Montbéliard“, soll infolgedessen auf das Postmuseum hinweisen. Also auf das Musée de la Communication en Alsace: Postes, Diligences, Télécoms. Dabei ist Diligences der französische Ausdruck für Kutschen.

Gedenktafel Flachsland
Gedenktafel Flachsland

Die Gedenktafel über der Tür erinnert außerdem an Maria Karoline Flachsland. Sie wurde hier um 1750 geboren.

Nach ihrer Heirat mit Johann Gottfried Herder und nach dessen Tod, wurde sie anschließend zur Verwalterin und Herausgeberin seiner Werke. Johann Gottfried Herder war ein bedeutender Lyriker und Vertreter der Aufklärung. Der Mensch sollte nach Meinung der Aufklärung rein nach seiner Vernunft urteilen und Handeln.

Riquewihr und seine Postkartenmotive.

Das viel besuchte Reichenweier, die Perle der Weinberge, bietet bei einem Rundgang ein Postkartenmotiv nach dem anderen. Die Kombination von schönen alten Fachwerkhäusern aus der württemberger Zeit, ebenso wie die gekonnten typisch französischen Blumen-Arrangements, finden hier zu einem harmonischen Gesamteindruck zusammen.

Die kleine Stadt liegt an der elsässischen Weinstraße und hat außerdem vielleicht auch die besten Weine der Region: den „Sporen“ und den „Schoenenbourg“.

Der Ortskern von Reichenweier
Der Ortskern von Reichenweier

Werbung kann auch Freude machen. Sehen Sie sich die kunstvoll geschmiedeten Schilder der Wirtshäuser an. Unaufdringlich und geschmackvoll.

Der Dolderturm in Reichenweier
Der Dolderturm in Reichenweier

Der mit Fachwerk verzierte Turm „Dolder“, der um 1291 errichtet wurde, befindet sich an der höchsten Stelle der Stadt und ist ihr Wahrzeichen.

Die Seite nach innen, ist die vergleichsweise schönere Ansicht; vermutlich aufgrund dessen, weil sie die Bewohner ständig vor Augen hatten.

Eine Gasse in Reichenweier
Eine Gasse in Reichenweier

Reichenweier wurde zwar schon in alter Zeit zur Stadt erhoben, gehört aber heute zu den schönsten Dörfern in Frankreich.

An der westlichen Mauer, gibt es ausreichend große Parkplätze. Zur Hauptsaison sind sie aber leider kostenpflichtig. Die Stadt hat vermutlich  hohe Unterhaltskosten für ihr schönes, aber teures  Erbe.

Die Burgruine Reichenweier-Reichenstein.

In der Nähe, ebenfalls noch auf dem Gebiet von Reichenweier, befindet sich im Herrenwald die Burgruine Reichenstein. Die Burg war früher im Besitz der Gebrüder von Reichenstein.

Die von Reichsteins hatten aber das Raubrittertum wohl etwas zu übertrieben. Rudolf von Habsburg ließ die Burg daher um 1269 zur Strafe zerstören. Sie wurde danach nie wieder aufgebaut. Ein Erdbeben um 1356 und ein späterer Erdrutsch taten dann wohl noch das Übrige. Die Ruine, von der im Wesentlichen nur noch der fünfeckige Bergfried übrig ist, gehört heute zu den „monuments historiques“. Quellen dazu sind: Wikipedia.fr und Französisches Kulturministerium.

Die Legende der „Weißen Frau von der Burg Reichenstein“.

Auf dem Blog von Marcel Pfister (1911-1990, publiziert von Jean Marie Pfister) findet man eine Legende zur Ruine Reichenstein: La Dame Blanche de Reichenstein. Nachfolgend der Versuch einer Übertragung.

Der Herr Treitlinger.

Damhirsch
Damhirsch

Der Herr Treitlinger, Rat der Regentschaft von Mömpelgard, Seine Hoheit den Herzog von Württemberg in seinen Besitzungen im Elsass vertretend, wurde während eines Besuchs in Reichenweier vom Landvogt zu einer Jagdpartie in die weiten Wälder des Landbesitzes eingeladen. Bei diesem Anlass war Herr Treitlinger schockiert über den von ihm festgestellten Schlendrian seiner Verwalter; die Jäger fanden nämlich ein Hirschkalb mit einer tödlichen Schlinge um den Hals.

Am nächsten Tag wurden Leiter und Beamte vorgeladen. Der Regentschaftsrat griff in Forstwirtschaft und bei der Baumfällung sehr streng durch. Er schrieb seinen Leuten für Gewässer und Wäldern vor, der Wilderei ein Ende zu setzen. Der Leiter von Gewässer und Forst forderte seine 4 Männer daher auf, zu völlig unerwarteten Zeiten, die schönen Tannen-, Buchen- und Eichenwälder zu kontrollieren, die Hirsche, Rehe, Wildschweine und jede Art von Wild beherbergten, das vom niederen Volk begehrt wurde.

Holzfäller und Köhler.

Reh
Reh

Holzfäller und Köhler, die seit 1720 in Ursprung, mit einer besonderen Genehmigung ansässig gewesen waren, wilderten aber trotzdem mit großem Geschick im tiefen Wald weiter, wo sie bisher niemand gestört hatte.

Daher kam es eines Tages, dass Jakob Gebhardt, vereidigter Förster und Jagdaufseher, sich an einem Juli-Abend 1769, im zauberhaften Mondschein, auf dem Pfad der am Sembach entlang führt, an der hintersten Stelle des engen Tales befand. Es muss um Mitternacht gewesen sein, der Vollmond stand im Zenit. Plötzlich wurde er durch eine kleine weiße Nebelwolke verunsichert, die aus dem alten, baufälligen Bergfried von Reichenstein aufstieg. Er spürte einen Schauer seinen Körper durchlaufen, als dieses Wölkchen nach und nach die Formen einer Frau in einem langen weißen Kleid annahm. Verdutzt, an eine Eiche angelehnt, war er wie erstarrt und wagte kaum zu atmen.

Die Erscheinung.
Die Weisse Frau von der Burg Reichenstein in einer Wolke
Die Weisse Frau von Reichenstein in einer Wolke

Die Erscheinung bewegte sich langsam auf den Fluss zu. Jakob kniete sich auf eine flache Stelle als er sie sah. In Händen hielt sie einen dicken Schlüssel, den sie ins Wasser tauchte. Sie wusch, rieb und schabte ihn energisch und unaufhörlich, wie wenn man hartnäckige, dauerhafte Flecken zu reinigt. Hatte sich Jakob bewegt? Auf jeden Fall erhob sich die edle Frau; aber weit davon entfernt nach Geister-Art zu verschwinden, kam sie auf ihn zu. Der Jagdaufseher war außer sich, so euphorisch, dass er nicht einmal auf die Idee einer Flucht kam.

Die Weiße Frau nahm ihn bei der Hand und sagte mit sanfter Stimme:

„Bitte hör mir zu. Komm morgen Abend, zur gleichen Stunde, hierher auf diesen Weg und zünde zwei Fackeln an. Es sind jetzt genau fünfhundert Jahre, die ich schon leide. Du kannst mich davon erlösen. Ich werde dich in einen Saal führen, in dem du auf einer großen Eichen-Truhe einen dicken schwarzen Hund sehen wirst. Er hält mich gefangen. Du wirst meine rechte Hand so stark drücken, dass das Blut aus meinen Fingern herausläuft. Lass dich vor allem nicht vom Geheul des Hundes erschrecken. Ich werde dann erlöst und du wirst reich sein. Die Truhe enthält einen märchenhaften Schatz; gib die eine Hälfte den Armen, die andere Hälfte wird dann dir gehören.

Die edle Frau ging zurück zur Burg.
Burgruine Reichenweier Reichenstein
Burgruine Reichenweier Reichenstein

Die edle Frau ging zurück zur Burg, wo sie wieder zur weißen Wolke wurde und verschwand. Jakob Gebhardt ging zu sich nach Hause, aber zum Schlafen kam er kaum. Das, was er im Sembachtal erlebt hatte, glich einem Traum. Doch er hatte nicht geschlafen auf seiner nächtlichen Runde. Er sprach zu niemanden, weil er befürchtete, dass man sich über ihn lustig machen würde. In der darauffolgenden Nacht versah er sich mit 2 Fackeln und einem Feuerzeug. Jakob schulterte sein Gewehr und machte seine Runde, wie gewöhnlich. Guten Schrittes stieg er das Kleintal und den Weg von Seelburg hinauf, um von oben die Ruine von Reichenstein zu beobachten. Er bemerkte nichts Verdächtiges.

Nach und nach kam in ihm Zweifel hoch.
Burgruine
Burgruine

Nach und nach kam in ihm Zweifel und  Scham hoch, dass er sich vielleicht dummer Weise von einer Illusion oder von einem Traum einnehmen haben lassen. Auf seiner Runde oben angekommen, schlug er dennoch leichten Schrittes den Weg ins Tal von Sembach ein, dieses wurde auch Großtal genannt. Es war ungefähr um Mitternacht, als er auf Höhe der Ruine ankam. Er lehnte sein Gewehr genau an die Eiche, an der er sich am Vortag angelehnt hatte. Dann zündete er die beiden Fackeln an. Sofort als die beiden Flammen aufloderten, wurde der Pfad zu einem breiten gepflasterten Weg und die Ruine von Reichenstein wandelte sich zu einem intakten erleuchteten Bauwerk.

Die Weiße Frau kam erneut auf unseren Förster zu.
Die Weisse Frau von der Burg Reichenstein
Die Weisse Frau von der Burg Reichenstein

Die Weiße Frau kam aus einem breiten Portal auf unseren Förster zu, der sich sofort beruhigte und sich glücklich und in Hochstimmung fühlte. Sie nahm eine der Fackeln in ihre linke Hand und gab die Rechte ihrem neuen Kavalier, den sie nochmals mit Nachdruck bat ihre Hand ja nicht los zulassen. Über eine geheimnisvoll erleuchtete Treppe führte die edle Frau den Jagdaufseher in einen Rittersaal mit Kamin und massivem Tisch. An der Wand befand sich eine schicksalhafte Truhe, auf der ein großer schwarzer Hund lag. Jakob drückte mit allen Kräften die rechte Hand der Frau. Die wütende Bestie heulte schrecklich und laut auf, fletschte mit den Zähnen, so dass  der für gewöhnlich unerschrockene Jäger, seine Hand zurückzog und floh.

 Er hörte noch die arme Weiße Frau mit brüchiger Stimme sagen:

„Nun muss ich also neunmal hundert Jahre warten, bis die Eiche gewachsen ist, deren Holz zum Bau der Wiege für den Mann dient,  der mich befreien kann.“ 

La Parade vénitienne in Reichenweier.

Das obere Bild, das die Weiße Frau darstellen soll, stammt vom Carnaval Vénetien in Remiremont. Es könnte aber auch von Reichenweier stammen.

Carnaval Vénetien
Carnaval Vénetien

Dort hat Anfang Juli nun schon zum achten Mal die Parade Carnaval vénitienne stattgefunden. Genauere Informationen gibt es vor dem Event auf der Seite des  OT von Ribeauvillé und Reichenweier.

Leider wird der Link dort nach der Veranstaltung gelöscht. Einige Bilder dazu lassen sich aber dennoch im Netz finden.

Für Fotografen auf jeden Fall ein interessanter Termin und für alle Anderen eine Augenfreude.

1 thought on “Reichenweier Wuerttemberg und das Geheimnis der Weißen Frau

  1. Je ne connaissais pas la légende de cette Dame Blanche que je ne manquerai pas de conter à mon tour lors de mon prochain passage à Riquewihr. Votre blog montre bien les incontournables pour les touristes étrangers dans nos belles Vosges… Merci pour votre message !

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